Ist mein Hund hochsensibel?

In der Psychologie des Menschen ist der Begriff „High Sensitive Person“ seit den 90er-Jahren durch die Psychologin Dr. Elaine Aron bekannt geworden.
Um das Thema etwas greifbarer zu machen, möchte ich euch gerne erstmal etwas über Hochsensibilität erzählen.
Hochsensibilität ist keine Krankheit und sollte auch nicht so verstanden werden. Hochsensible Menschen sind auch nicht weinerlich oder empfindlich, sondern haben einen besonders hochentwickelten Wahrnehmungsgrad. Ein hochsensibler Mensch nimmt seine Umwelt kleinteilig und detailgenau war und nimmt dementsprechend viele Wahrnehmungen und Reize auf, die vom Gehirn verarbeitet werden müssen.
Hochsensible Personen reagieren sehr feinfühlig und nehmen jede Schwingung und jedes Detail in sich auf. Durch diese ständige Reizüberflutung fühlen sich hochsensible Personen in einer städtischen Umgebung eher unwohl und bevorzugen die Natur und das Landleben. Zu dem Thema Hochsensibilität bei Personen gibt es viel gute Lektüre auf dem Markt und auf Facebook kannst du ebenfalls Gruppen zu diesem Thema finden.

Wie sieht es aber nun mit unseren Hunden aus?

Kann ein Hund auch hochsensibel sein und was bedeutet, dass für die Fellnase und wie gestaltet sich ein Leben mit einem hochsensiblen Hund?

Wie oben bereits beschrieben, nehmen hochsensible Personen besonders viele Reize auf. Wenn nun ein Hund besonders viele Reize aufnimmt und dazu auch noch sehr feinfühlig auf die Gefühle seiner Menschen reagiert, benötigt die Fellnase auch ein Leben indem es ihm gestattet ist, die Reize in seinem Tempo zu verarbeiten und das notwendige Verständnis seiner Menschen. Ein hochsensibler Hund wird in einer Stadt mit Autoverkehr, Radfahrern, Fußgängern, lauten Geräuschen und schreienden Kindern seine Herausforderungen haben und das unter Umständen auch deutlich zum Ausdruck bringen. Unseren Hunden steht eine Reihe von Kommunikation zur Verfügung, die unter Umständen in der Menschen-Welt als unangemessen gelten.

Welche Anzeichen sprechen auf einen hochsensiblen Hund hin?

Bei meinem Border Collie Luke hat es eine Zeitlang gedauert, bis ich verstanden habe, dass er ein hochsensibler Hund ist und ein dementsprechend angepasstes Leben benötigt. Trotz artgerechter Auslastung und verschiedensten Hundetrainern blieb er ein nervöser und unausgeglichener Hund. Er kam sehr schwer zur Ruhe und reagierte vollkommen hysterisch auf Artgenossen und verbellte alles was ihm nur zu Nahe kam. Unser gemeinsames Leben wurde auf eine Zerreisprobe gestellt, bis eines Tages, dass Universum uns eine Begegnung schenkte, die unser Leben ändern sollte.

Wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt mit unserem umgebauten Van an der Ostsee. Ich stand extra früh auf, damit Luke einen halbwegs ruhigen Spaziergang hatte.  Er rannte hin und her und sprang wie von der Tarantel gestochen in die Wellen, kläffte mich an und bettelte nach seinem Ball. Ich weiß bis heute nicht wo er im Geiste war, körperlich war er anwesend aber sein Gesichtsausdruck ließ auf etwas anderes schließen. Mit einem vollkommen überdrehten Hund kam ich zurück in den Van und ich war wieder mal so aufgelöst, dass ich mich weder an den Aspekt der Frau, noch den Moment erinnern kann, als sie mir einen Buchtitel empfahl. „Maria Hense – der hyperaktive Hund“

Ich bestellte mir noch am Selben Tag das Buch und verschlang es bei meiner Rückkehr. Es las sich wie unser Tagebuch und so langsam begann ich meinen Hund zu verstehen.

Ich begann mich mit dem Thema zu beschäftigen und der Vergleich zu ADHS bei Kindern fiel immer wieder. Also belass ich mich zu diesem Thema. Schließlich wollte ich eine Lösung für Luke finden und wenn diese in der Menschen-Psychologie liegen sollte. Von einem Link zum anderen, bis ich schließlich auf das Thema Hochsensibilität traf.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es nicht nur Luke’s, sondern auch mein Leben verändern sollte.

Ich begann Luke zu beobachten und Tagebuch zu führen. Ich schrieb im Detail auf wann wir was getan haben und welche Reize er ausgesetzt war. Mit der Zeit wurde ich sehr achtsam und mir vielen auch Kleinigkeiten auf. Ich notierte, wie lange er brauchte um zu Ruhe zu kommen und wie lange er schlief. In nur kurzer Zeit wurde mir bewusst, dass er lange reizarme Pausen benötigt, um auch Alltagssituationen verarbeiten zu können.

Ich orientierte mich an den Informationen zu den hypersensiblen Personen und ich begann mit ihm zu wandern. Fernab der Stadt, fuhren wir in die Natur und ich suchte uns abgelegene Wandertouren und letztendlich zog ich mit Luke in die Vorstadt. In den ersten Jahren war es auch in der kleinen Siedlung ein Spitzroutenlauf, nun waren wir aber viel näher am Umland und fuhren jeden Tag in die Natur.

Schritt für Schritt wurde Luke ansprechbarer und es war von einem Training das erste Mal die Rede.

In meinen nächsten Artikeln berichte ich dir, wie ich mit Luke trainiert habe. Nun läuft er entspannt durch die Siedlung.  Hat bereits ein paar Hundefreunde gefunden und Körper und Geist sind eins geworden.

Unsere Reise ist noch lange nicht zu Ende, aber ich kenne nun seine Bedürfnisse und bin achtsam mit mir und meinen Hund.

Entwicklungsausblicke

2019 kam er nicht zur Ruhe am Wasser

2020 übernachteten wir bereits am See in Schweden

2021 hatten wir Nachbarn, die 2019 noch hysterisch angebellt wurden.